Erfolgreich in zehn Schritten

Um die Potenziale und Möglichkeiten des Wissens- und Technologietransfers effektiv und effizient nutzen zu können, muss der Transfer in das Innovationsmanagement der Unternehmen integriert und als Bestandteil des Innovationsprozesses betrachtet werden. Auf Basis dieser Sichtweise kann folgendes Vorgehen in zehn Schritten für einen erfolgreichen Wissens- und Technologietransfer empfohlen werden:
1. Identifikation des Wissensbedarfs    
Der Wissensbedarf ergibt sich typischerweise aus strategischen Zielsetzungen (z.B. wir möchten in 3 Jahren ein neues Produkt auf Basis der Technologie XY auf den Markt bringen), kreativen Prozessen oder aus Problemstellungen direkt aus dem Innovationsprozess (z.B. technologisches Problem in der Realisierung von Produktinnovation XY). Wichtig für diese Phase sind Problembewusstsein und frühzeitige Identifikation des Bedarfs, da erfolgreicher Wissens- und Technologietransfer Zeit benötigt.

2. Definition des Wissens- und Technologietransfer-Zieles    
Der identifizierte Wissensbedarf wird mit im Unternehmen vorhandenen Wissensbeständen und Kompetenzen verglichen und die sich daraus ergebende Lücke wird herausgearbeitet. Dieser Schritt kann mit Methoden des Wissensmanagements unterstützt werden. Auf Basis der Wissenslücke folgt die Entscheidung, ob rein intern oder mit externer Unterstützung Wissen dafür aufgebaut bzw. zugekauft werden soll. Daraus wird das Ziel des Wissens- und Technologietransfers abgeleitet und schriftlich festgehalten. Zusätzlich müssen in diesem Schritt auch interne Verantwortlichkeiten definiert, sowie personelle und finanzielle Ressourcen geplant werden.

3. Kompetenzbasierte Suche nach Wissens- und Technologieanbietern    
Auf Basis des definierten Zieles erfolgt nun die Suche nach Transferpartnern. Als erste zentrale Anlaufstelle dafür dient diese Internetplattform. Zusätzlich sollte man dazu sein persönliches Netzwerk und Empfehlungen daraus, sowie Anlaufstellen wie Technologietransferstellen oder Innovationsexperten nutzen.


4. (Vor-)Auswahl eines Wissens- und Technologieanbieters     
Die Auswahl eines geeigneten Transferpartners ist ein besonders erfolgskritischer Schritt. Für die Auswahl sollte eine Beurteilung der potenziellen Partner nach vorher definierten Kriterien (z.B. Kompetenz, Erfahrung, Referenzprojekte, Reputation etc.) erfolgen. Zusätzlich ist eine Einholung externer Meinungen aus dem eigenen Netzwerk sinnvoll.

5. Kontaktaufnahme und Auswahl des Transferinstrumentes    
Nach der Vorauswahl ist eine aktive Kontaktaufnahme und die Vereinbarung eines unverbindlichen persönlichen Gesprächstermins zu empfehlen. Der Hauptzweck dieses Gesprächs ist es, zu prüfen, ob die erforderliche Kompetenz vorhanden ist und die zwischenmenschliche „Chemie“ passt. Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung für Wissens- und Technologietransfer. Zusätzlich sollten bereits erste Überlegungen über mögliche Transferinstrumente zur Erreichung der Zielsetzung angestellt werden.

6. Fördermöglichkeiten checken    
Die Bedeutung von Wissens- und Technologietransfer für Innovationen wird von der öffentlichen Hand erkannt und sowohl finanziell als auch beratend unterstützt. Zentraler Ansprechpartner für Förderprogramme in diesem Kontext ist die Steirische Wirtschafsförderungsgesellschaft (www.sfg.at).
 
7. Contracting
In diesem Schritt werden die wesentlichen Ziele bzw. die gewünschten Ergebnisse und Rahmenbedingungen (Zeit, Kosten, Aufbereitung der Ergebnisse etc.) des Wissens- und Technologietransferprojektes vertraglich fixiert. Wichtig ist es, eine Win-Win-Situation für die beteiligten Partner zu schaffen sowie Themen wie Geheimhaltungspflichten, Rechte über das entstehende Wissen (IPR Intellectual Property Rights z.B. Patente) frühzeitig schriftlich zu vereinbaren.

8. Durchführung des Wissens- und Technologietransfers    
Das Projekt bzw. die definierten Transferaktivitäten werden durchgeführt.
Wichtig in dieser Phase ist es, je nach Transferinstrument ausreichende Zeit und Ressourcen insbesondere auch für die Übertragung von personengebundenem Wissen einzuplanen.

9. Integration der Ergebnisse    
Ziel dieses Schrittes ist es, die Nutzung der Ergebnisse sicherzustellen und das neue Wissen in den Innovationsprozess zu integrieren. Zentraler Erfolgsfaktor hierfür ist es, Mitarbeiter, die mit dem neu gewonnenen Wissen bzw. der Technologie arbeiten sollen, frühzeitig in die Aktivitäten zu integrieren und ihnen die Möglichkeit der Mitgestaltung zu bieten (Betroffene zu Beteiligten machen).

10. Evaluation des Transferprozesses    
Der gesamte Prozess des Wissens- und Technologietransfers wird hinsichtlich der Ergebnisse, der beteiligten Partner und der einzelnen Aktivitäten evaluiert. Dabei sollte man insbesondere die folgenden Fragen beantworten:

  • Was wollten wir erreichen (ursprüngliches Ziel)?    
  • Was haben wir erreicht (tatsächliches Ergebnis)?    
  • Wie erklären wir uns die Unterschiede (Vergleich Soll-Ist)?    
  • Was lernen wir daraus für die Zukunft (Lessons Learned)?    

Als Methode dafür eignet sich der sogenannte Lessons Learned Workshop, bei dem alle am Wissens- und Technologietransfer beteiligten Personen die Aktivitäten nachträglich gemeinsam hinterfragen. Wichtig ist es, diese Erfahrungen systematisch zu dokumentieren und bei nachfolgenden Transferaktivitäten zu berücksichtigen.