Wer die Wahl hat…
Wer die Wahl hat…


Zwei Wochen sind nun vergangen, seit Maskut mit seiner Enterprise Europe Network-Anfrage den ersten Schritt für den so entscheidenden Technologievorsprung seiner Firma gesetzt hat, denn Konkurrenz gibt es in seiner Branche zu genüge. Das hat Maskut erst jüngst wieder nur allzu deutlich zu spüren bekommen, als Innoconstruct Istanbul bei einem Großauftrag von einem anderen Unternehmen ausgestochen worden ist. Pack!that sei moderner und könne schneller und kostengünstiger produzieren, lautete die Begründung seines ehemaligen Geschäftspartners. Der Verlust dieses Auftrages war bitter, aber jetzt wird alles anders, denkt sich Maskut, nimmt die von seiner Sekretärin gesammelten Angebote auf seine Technologieanfrage von seinem Bürotisch und lehnt sich in seinem bequemen Ledersessel zurück. Als er die Unterlagen durchblättert, staunt er nicht schlecht, denn nicht weniger als fünf Unternehmen glauben, die für Innoconstruct Istanbul passende Lösung bieten zu können. Frau Yilmaz hatte ihm also tatsächlich nicht zu viel versprochen.


Maskut macht sich mit großen Erwartungen daran, die Angebote genauer zu studieren. Die ersten beiden Unternehmen stammen aus Deutschland und beschreiben sehr detailliert jeweils ein bereits erprobtes System zur Optimierung des Logistikbereiches. Doch da Maskuts Vater auf Bestreben seines Sohnes hin erst vor drei Jahren in die Lagerorganisation investiert hatte, arbeitet diese Abteilung der Firma bereits mit großer Effizienz. Das nächste EOI (Expression of interest) einer französischen Firma stellt eine sehr innovative Lösung im Bereich Prozessoptimierung vor. Allerdings gibt das Unternehmen an, dass erst einige Studien durchgeführt wurden, die jedoch sehr Erfolg versprechende Ergebnisse geliefert hätten. Bis die Testphase abgeschlossen ist, kann es also noch etwas dauern. Das ist deutlich zu lange, denkt sich Maskut. Er weiß, dass drei Jahre Entwicklungsstillstand schon das Aus der Firma bedeuten können. Außerdem würde sein Vater sich wahrscheinlich nicht davon überzeugen lassen. Maskut kann ihn schon sagen hören: „Zu viele Menschen sind auf uns angewiesen. Wir können ihre Arbeitsplätze nicht einfach leichtfertig aufs Spiel setzen, weil wir Versuchskaninchen spielen wollen.“ Und dennoch... die Idee hat etwas. Auf jeden Fall sollte man das französische Unternehmen im Auge behalten und es schadet ja schließlich nie, Kontakte zu knüpfen. Doch dann hält er das österreichische EOI in Händen – es ist auf den ersten Blick vielversprechend:

An Austrian company developed an innovative connection technology… very efficient… high cost savings are possible… already successfully field-tested by international clients… many possible applications… individually adaptable…


Von diesem Unternehmen hatte er doch schon einmal gehört…
Plötzlich erinnert sich Maskut, dass ihm diese Verbindungstechnologie bereits aufgefallen war, als er gemeinsam mit Frau Yilmaz die Enterprise Europe Network-Datenbank nach möglichen Geschäftspartnern durchforstet hatte. Die Technologie ist auch bereits in einigen europäischen Unternehmen im Einsatz und ermöglicht es, einen kostenintensiven Produktionsschritt vollkommen einzusparen! Schnell rechnet Maskut sich im Kopf aus, welche Kostenersparnisse dadurch möglich wären. Und erst die Vorteile für seine Kunden… Sogleich startet er seinen Laptop und setzt eine E-Mail an Frau Yilmaz mit der Bitte auf, den Kontakt zum Unternehmen herzustellen.

Wer die Wahl hat…